Recap: Lunchtalk #7 Green IT

Die Integration nachhaltiger Praktiken gewinnt auch in der IT an Bedeutung. In der 7. Ausgabe unseres Lunchtalks hat Host Pascale Ullmann mit unserem Gast Rainer Karcher, Global Head of Sustainability und Human Rights Officer bei Allianz Technology, über den Schwerpunkt unserer aktuellen Themenwoche #GreenIT gesprochen. Hier fassen wir euch noch einmal die wichtigsten Erkenntnisse zusammen.

Typ:
Blogartikel
Rubrik:
Analytik & IT
Themen:
Lunchtalk Green IT Technologie
Recap: Lunchtalk #7 Green IT

Was bedeutet Green IT?

Der Begriff Green IT ist sehr stark auf die Umweltwirkung fokussiert. In diesem Zusammenhang umfasst er zum Beispiel den Stromverbrauch und die Energieeffizienz in Rechenzentren sowie die Automatisierung und Digitalisierung. Rainer Karcher erklärte im Lunchtalk, dass er den Begriff "Sustainable IT" treffender findet, weil damit auch ethische und soziale Aspekte mitgedacht werden. Diese Sichtweise entspricht auch den Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen, welche Nachhaltigkeit als ganzheitliches Konzept betrachten.

Welche Rolle spielt Green IT bei der Entwicklung einer Nachhaltigkeitsstrategie?

Das digitale Versicherungsgeschäft hat einen großen IT-Anteil, um nachhaltig zu sein, sollten die Prozesse möglichst energieeffizient angelegt sein. Aber auch die Barrierefreiheit spielt eine große Rolle. Besonders bei digital vertriebenen Produkten sollten Versicherer drauf achten, dass sich auch Personen mit körperlichen oder mentalen Beeinträchtigungen über Produkte informieren oder den Kundenservice kontaktieren können. Eine Richtlinie dafür gibt es bereits, den sogenannten "European Accessibility Act". Damit sind alle Unternehmen bis 2025 verpflichtet, ihre Websites barrierefrei zu gestalten.

Für eine Strategie benötigt es aber auch Transparenz und Messbarkeit, vor allem, um Erfolge als solche bewerten zu können. Hier kommt wiederum die IT ins Spiel, nämlich zur automatisierten Erstellung verlässlicher und nachvollziehbarer Reportings.

Führen technische Innovationen zu Nachhaltigkeit oder verschärfen sie den Ressourcenverbrauch?

Der Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) für Suchanfragen, wie es beispielsweise ChatGPT ermöglicht, benötigt etwa das Zehnfache an Energie im Vergleich zu herkömmlichen Suchmaschinen wie Google. Das unterstreicht die Notwendigkeit, die Effizienz von KI-basierten Suchalgorithmen weiter zu verbessern. Technologische Innovationen erfordern daher eine klare Fokussierung und ein hohes Bewusstsein für ihre Auswirkungen und den Ressourcenverbrauch.

Darüber hinaus bedarf es einer soliden Datenethik und einer angemessenen Regulierung, hob Rainer Karcher im Lunchtalk hervor.  Der "Artificial Intelligence Act" der Europäischen Union stelle hier einen wichtigen Fortschritt dar, indem er Richtlinien für eine verantwortungsvolle Entwicklung und Anwendung von KI-Technologien festlegt.

    Lunchtalk Green IT / zu Gast: Rainer Karcher mit Host Pascale Ullmann

    Welche Maßnahmen können Versicherungsunternehmen einsetzen?

    Wie andere Unternehmen können auch Versicherer auf erneuerbare Energie setzen. Dazu gibt es z. B. die Initiative 100% Renewable Energy. Insbesondere Rechenzentren und Bürogebäude, die sehr viel Strom verbrauchen, könnten auf Ökostrom umsteigen. Außerdem kann die IT helfen, Bürogebäude durch Gebäudeautomatisierung nachhaltiger zu gestalten. Mithilfe von Sensorik und IT-Systemen kann eine Gebäudesteuerung integriert werden. Dabei werden Systeme, die nicht benötigt werden, z. B. am Wochenende in den Standby-Modus gesetzt. Das habe zwar anfangs Mehrkosten zur Folge, auf lange Sicht lassen sich jedoch bei den zunehmend steigenden Energiepreisen Kosten sparen.

    Inwiefern werden Stakeholder in die Entwicklung und Umsetzung von Green IT einbezogen?

    Auch Kunden können in die nachhaltige Ausrichtung der IT einbezogen werden, bspw. bei der Nutzung der Unternehmenswebsite. Dort lassen sich Indikatoren einbauen, die anzeigen, wie man durch das eigene Nutzungsverhalten die Datenmenge reduzieren kann. Bei Websites spielt der Aspekt der Barrierefreiheit natürlich auch eine Rolle.  Außerdem kann der Papierverbrauch durch IT-Maßnahmen reduziert werden. So können zum Beispiel Schadensmeldungen per App auf dem Handy übermittelt oder Unterlagen digital eingereicht werden. Aber auch Mitarbeitende können sich mithilfe einer Community aktiv in die Nachhaltigkeitsstrategie einbringen. Das Wissen der einzelnen Mitarbeitenden wird dadurch gebündelt und mehrwertig für das Unternehmen.

    Wie wird die Zukunft der IT in der Versicherungsbranche aussehen?

    KI wird die Zukunft in vielen Bereichen aber vor allem auch in der IT, maßgeblich beeinflussen. In der Versicherungsbranche kann sie dabei helfen, die Komplexität der Verträge zu vereinfachen und für Kundinnen und Kunden verständlicher sowie individueller zu gestalten. Als weitere Stichworte sind an dieser Stelle Augmented Reality, Cloudification und Kollaborationstools zu nennen. In Zukunft wird sich herausstellen, welche Ansätze sich langfristig durchsetzen und inwieweit dabei Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigt werden.

    Welche Herausforderungen gibt es langfristig für die Green IT?

    Mainframes (komplexe Computersysteme) haben nach wie vor einen großen Energieverbrauch. Langfristig muss dort eine Lösung gefunden werden, wie diese Systeme nachhaltiger gestaltet werden können, merkte Rainer Karcher im Lunchtalk an.

    Das Bewusstsein für Nachhaltigkeit solle außerdem über den ökologischen Aspekt hinausgehen und auf andere Themen ausgeweitet werden. Gerade die IT muss laut Karcher stärker in die Diskussion über Nachhaltigkeit einbezogen werden, da Daten die Grundlage bilden. Besondere Aufmerksamkeit sollte dabei der Datenqualität gewidmet werden.

     

    Informationen zu unserem Gast:

    Rainer Karcher arbeitet als Global Head of Sustainability & Human Rights Officer bei Allianz Technology.

    Danke, dass Du bei unserem Lunchtalk dabei warst!

     

    Ausgabe verpasst?

    Kein Problem, die Aufzeichnung steht hier zur Verfügung: (25) Sustainable Insurance Lunchtalk #7: Green IT | LinkedIn